12.10.2017

Strategische Konflikte

Wann sich Auseinandersetzungen lohnen

Fotolia - deagreez

Der Arbeitsalltag von Führungskräften ist geprägt von Teamsitzungen und Einzelgesprächen, in denen immer wieder Entscheidungen getroffen werden müssen. Dabei prallen häufig unterschiedliche Meinungen aufeinander. Solche Reibungen sind gut, wenn die Ergebnisse am Ende konstruktiv sind und das Unternehmen weiterbringen. Konflikte können aber auch schädlich sein und viel Energie kosten. Es ist daher wichtig, die eigene Kraft einzuteilen und nur dann um eigene strategische Positionen zu kämpfen, wenn es sich lohnt.

Die amerikanischen Wissenschaftler Joni und Beyer haben hierfür ein Prüfraster entwickelt. Wenn Ihre Lösung bedeutsam, zukunftsorientiert und ehrenwert ist, sollten Sie im Unternehmen keine Auseinandersetzung scheuen:

Bedeutsamkeit

  • Wert: Die Auseinandersetzung lohnt sich nur dann, wenn durch Ihre Lösung pro Jahr mindestens 15 Prozent Zeit oder Kosten eingespart, die Preise um mehr als 10 Prozent erhöht oder Marktanteile schneller als Ihr Wettbewerb erzielt werden können
  • Komplexität: Das mit Ihrem Ansatz zu lösende Problem muss ausreichend komplex sein, darf sich also nicht einfach durch Routineverfahren, externe Berater oder interne Delegation lösen lassen.
  • Veränderungen: Ihre Lösung erfordert fundamentale Änderungen, neue Methoden und einen besseren Informationsaustausch zwischen den Bereichen.

Zukunftsorientierung

  • Chancen: Auseinandersetzungen lohnen sich nur für zukünftige Erfolgspotenziale. Rühren Sie nicht unnütz in die Vergangenheit herum, um etwa Schuldige für einen Fehler zu finden.
  • Charisma: Ihre Lösung muss innovativ und für Ihre Mitarbeiter visionär sein
  • Ungewissheit: Wenn Sie auf neue technologische, gesetzliche, konjunkturelle oder gesellschaftliche Marktänderungen reagieren müssen und Unklarheiten über den richtigen Kurs besteht, lohnen sich Auseinandersetzungen.

Ehrenwertes Ziel

  • Unternehmenswerte: Ihr Ziel sollte nicht nur geschäftlich etwas bringen, sondern auch die Wertvorstellungen Ihres Unternehmens betreffen.
  • Dringlichkeit: Ihre Lösung muss den Nerv der Mitarbeiter treffen und für einen Motivationsschub sorgen.
  • Respekt: Ihre Lösung wird von Externen (z. B. Wettbewerber) respektiert und bewundert und findet ein breites Echo in der Presse.

Wenn Sie nach dieser Checkliste der Meinung sind, dass es sich für Ihre Lösung zu kämpfen lohnt, dann sorgen Sie dafür, dass bei Auseinandersetzungen Regeln eigehalten und keine Kleinkriege geführt werden. Nutzen Sie zur Durchsetzung Ihrer Interessen auch informelle Strukturen und Beziehungen. Nehmen Sie Niederlagen, die immer mal wieder vorkommen, sportlich. Ziehen Sie nach einer erlaubten kurzen Phase der Enttäuschung das Positive aus dem Konflikt.

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