05.11.2017

Digitale Innovationen

Disruptiv oder nur inkremental?

Fotolia

Digitale Innovationen vor allem aus dem Silicon Valley verändern immer mehr Branchen. Sie wirken häufig disruptiv. Im Businessjargon ist damit eine Technologie gemeint, die die Spielregeln in einer Branche komplett ändert und etablierte Unternehmen hinwegfegt. Die Suche nach dem nächsten großen Ding (Next Big Thing) ist fast schon eine Obsession der Technologiefreaks und IT-Startups.

Alles schneller im digitalen Zeitalter

Einen technologieinduzierten Strukturwandel hat es vor allem in der jüngsten Menschheitsgeschichte jedoch immer schon gegeben. Autos haben Droschken abgelöst, E-Loks die Dampflokomotive, hydraulische Bagger die Seilbagger, PCs die Schreibmaschine und Digitalkameras klassische Fotoapparate. Das Muster ist immer gleich. Im digitalen Zeitalter geht nun alles aber viel schneller und radikaler. Keine Branche bleibt verschont. 

Apples iPhone war das erste multifunktionale Smartphone. Es löste bis heute nicht nur die klassischen Mobiltelefone, sondern zunehmend auch Digitalkameras ab. Leidtragende waren z. B. die bis 2007 führenden Handyhersteller Nokia und Siemens. Apple schaffte aber auch Disruptionen in anderen Branchen. Mit dem iPod wurden MP3-Player verdrängt, mit iTunes die CD, mit dem iPad die Laptops im Privatbereich. Ob die Apple Watch klassische Uhren verdrängt, bleibt abzuwarten. Heute wird Apple selbst attackiert, da Streaming-Plattformen wie Spotify die Downloads bei iTunes überflüssig machen.

Amazon als größter Online-Händler der Welt verdrängt immer mehr den stationären Einzelhandel und mit dem E-Book-basierten Kindle klassische Bücher. Amazon Prime, Netflix und YouTube greifen zunehmend die Fernsehsender an. Plattformen der Sharing Economy wie Uber und Airbnb versuchen den Taximarkt und die Hotellerie aus den Angeln zu heben, Lieferando & Co. die Gastwirte und Lebensmitteleinzelhändler. Selbstfahrende Fahrzeuge von Google, Elektroautos von Tesla und Drohnen von DJI attackieren den etablierten Fahrzeugmarkt. VR-Brillen von Oculus Rift und die HoloLens von Microsoft sind erst der Einstieg in die Virtual Reality mit noch unabsehbaren Folgen. 3D-Drucker verdrängen die klassischen Formenbauer und ermöglichen logistikfreies Produzieren direkt vor Ort.

Agieren statt reagieren

Meist mischen neue kreative Köpfe eine Branche auf. Sie entwickeln ihre Technologien zunächst unbeachtet in der Nische. Plötzlich aber dominiert die Außenseitertechnologie den Markt. Die etablierten Marktführer bleiben dann in der Regel auf der Strecke, wenn sie sich nicht selbst neu erfinden. Ein gutes Beispiel dafür ist Dornbracht aus Iserlohn, Hersteller hochwertiger und gut designter Armaturen für Bad und Küche. Dort hat bereits vor Jahren ein kleines innovatives Team damit begonnen, das Konzept Smart Water zu entwickeln. Es besteht mittlerweile aus intelligenten, sensorgesteuerten Duschen und einer App, in der sich Kunden unterschiedliche Duschszenarien herunterladen können. Wassermenge, Strahlintensität, Temperatur, Licht und Musik passen sich den individuellen Vorlieben der Nutzer an. Es gibt Duschprogramme wie Vitalize, Fitness, Beauty und Wellness.

Aufhorchen ließen im Sommer 2017 auch die Experten von Thyssenkrupp Elevator, die den klassischen Fahrstuhl mit ihrer Magnetschwebetechnik revolutionieren wollen. Die neue Technik kommt ohne die bisher üblichen Seile aus. Die neuen Fahrstühle können nicht nur hoch und runter, sondern auch seitlich fahren. Zum Einsatz kommen mehr Kabinen als bisher. Die Transportkapazitäten steigen, der Platzbedarf in Hochhäusern sinkt und die Fahrgeschwindigkeit steigt.

Nutzen Sie die Zeit, die ihnen möglicherweise in Ihrer Branche noch gegeben ist. Fragen Sie sich, wer Sie disruptiv womit attackieren könnte. Stellen Sie sich dann selbst an die Spitze digitaler Innovationen.

copyright emivo GmbH

Drucken